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Kritische Theorie der Gesellschaft: Eine einführende Rekonstruktion von den Anfängen im Horkheimer-Kreis bis Habermas

Kritische Theorie der Gesellschaft: Eine einführende Rekonstruktion von den Anfängen im Horkheimer-Kreis bis Habermas
Von Helmut Dubiel

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  • Amazon-Verkaufsrang: #77348 in Bücher
  • Veröffentlicht am: 1992
  • Originalsprache: Deutsch
  • Einband: Taschenbuch
  • 147 Seiten

Aus der Amazon-Redaktion

Kurzbeschreibung
Hinter dem gängigen Namen der 'Frankfurter Schule' verbirgt sich ein Forschungszusammenhang, der Ende der 20er Jahre im Rahmen des Frankfurter Instituts für Sozialforschung von Max Horkheimer begründet wurde. Erst im amerikanischen Exil entsteht 1937 ihre programmatische Selbstbezeichnung: Kritische Theorie der Gesellschaft. Nach der Rückkehr von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno aus der Emigration waren die kritischen Theoretiker zunächst nur eine beargwöhnte Minderheit. Nach 1968 änderte sich das jedoch so stark, daß die kritische Theorie inzwischen für manche ausländische Beobachter als die wichtigste sozialtheoretische Denkrichtung der Bundesrepublik gilt. Dieses Buch rekonstruiert den Gesamtzusammenhang der kritischen Theorie der Gesellschaft von den Anfängen bis zu Habermas' 'Theorie des kommunikativen Handelns'. Dabei geht der Autor jedoch nicht historisch vor. Die Darstellung orientiert sich vielmehr an den systematischen Gesichtspunkten der Kulturtheorie, der Sozialpsychologie und der politischen Ökonomie und ist jeweils bezogen auf gegenwärtige wissenschaftliche und politische Entwicklungen. Die Theorie von Jürgen Habermas wird vornehmlich unter dem Gesichtspunkt interpretiert, ob sie als Fortführung der klassischen kritischen Theorie gelten kann, oder ob es inzwischen zwei kritische Theorien gibt.

Autorenporträt
Helmut Dubiel, geboren 1946, war bis 1997 Direktor am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main und lehrt Soziologie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen.


Kundenrezensionen

Den Frankfurtern zur Ehre4
Was begründet den hartnäckigen Ruhm der Kritischen Theorie? Mit dieser Frage, nach dem, was die sogenannte Frankfurter Schule mit ihrem Institut für Sozialforschung eigentlich ausmacht, motiviert Helmut Dubiel sein Buch und gibt in seiner anspruchsvollen Rekonstruktion eine ziemlich gute Antwort, die bis heute wenig an Aktualität eingebüßt hat.

Es spricht für Dubiel, der seinerzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter des Institutes für Sozialforschung und später sein Direktor war, daß er einen sehr sympathischen Zug im Denkgebäude der Kritischen Theorie sich vielleicht nicht indirekt selbst zuschreiben wollte und deshalb unerwähnt ließ. Trotzdem vermißt man diese Information. Es handelt sich um die humanistische Einstellung, die in der späten kritischen Theorie weniger durch die Solidarität mit dem Proletariat, sondern durch die Solidarität mit den Menschen überhaupt geprägt ist. Horkheimer schrieb zum "moralischen Gefühl", das den Kern seiner Moraltheorie ausmacht: "Wir sehen die Menschen nicht als Subjekte ihres Schicksals, sondern als Objekte eines blinden Naturgeschehens, und die Antwort des moralischen Gefühls darauf ist Mitleid."

Da es sich um einen Einführungstext für Sozialwissenschaftler und nicht für Philosophen handelt, fehlt freilich auch die in diesem Kontext aufschlußreiche Bezugnahme auf Arthur Schopenhauer. Ebenso war es Dubiel vielleicht zuviel der Eloge, zu erklären, weshalb ausgerechnet in Frankfurt diese einzigartige Verbindung von philosophischer Reflektion und Sozialforschung zustande kommen konnte. Ein wichtiges Element war natürlich, daß die Frankfurter Hochschule in den zwanziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts als Reformuniversität neu gegründet wurde.

Dubiel macht klar, wie ungeheuer kühn die seinerzeitige Idee war, das philosophische Problem der Vermittelung von Denken und Sein mit den Mitteln einer materialistisch reflektierten Sozialphilosophie anzugehen. Der Mut der Avantgarde äußerte sich auch in der sehr frühen Rezeption der Freudschen Psychoanalyse. Das ist nicht hoch genug einzuschätzen, wenn man sich überlegt, welchen dogmatisch-marxistischen und bürgerlich-reaktionären Anfeindungen gleichermaßen die Psychoanalyse immer wieder ausgesetzt war. (Man denke z.B. an den verbissenen Feldzug des D.E. Zimmer in der ZEIT). Mittlerweile bestätigt sogar die moderne Hirnforschung Elemente der Freudschen Theorie. Interessant ist zu erfahren, daß die Psychoanalyse für Theodor Adorno den Rang einer philosophischen Theorie hatte, er aber in scharfem Gegensatz zu Erich Fromm die therapeutische Praxis ablehnte. Max Horkheimer hatte sich zwar einer Analyse unterzogen, sprach aber gelegentlich von "Massage". Im Kapitel über den totalitären Kapitalismus durchleuchtet Dubiel die ökonomisch-historische Erklärungsmodelle der kritischen Theorie für die Entstehung des Nationalsozialismus. Bezüge zur Interpretation der Gegenwart wie die Horkheimersche Befürchtung einer verbürokratisierten Gesellschaft, kommen etwas zu kurz. So heißt es bei Horkheimer - m.E. durchaus sehr realistisch - an einer Stelle in der Aufsatzsammlung "Gesellschaft im Übergang (1972)": "Wir sind zu der Überzeugung gelangt, daß die Gesellschaft sich zu einer total verwalteten Welt entwickeln wird."

Nach den Ausführungen zur klassischen kritischen Theorie wird ein gutes Drittel des Buches der neuen Frankfurter Schule gewidmet, die sich ganz um Jürgen Habermas und seine Theorie des kommunikativen Handelns dreht. Die Unterschiede werden pointiert präsentiert. Das eher resignative Geschichtsbild der alten wird mit dem der neuen kritischen Theorie verglichen. Ebenso ist von Habermas' optimistischerem Verständnis des Wissenschaftsbetriebs und den Konzessionen an die positivistische Wissenschaftstheorie Karl Poppers die Rede, die für Horkheimer und Adorno nicht denkbar waren. Leider erfährt man nichts über das Einschwenken Habermas' auf die Anthropologie Arnold Gehlens. Als sehr gelungen erscheint, Habermas als Theoretiker der Moderne und der Demokratie vor dem Hintergrund der klassischen kritischen Theorie zu beschreiben. Dadurch gewinnen beide an Klarheit.